Folien sind kein Selbstzweck wie etwa Kunstwerke der Malerei. Daher geht es nicht in erster Linie um künstlerisches Design, sondern darum, bestimmte Wirkungen beim Publikum zu erreichen. Dafür dient dieses Regelwerk, das auf wissenschaftlichen Untersuchungen z. B. der Werbepsychologie basiert.
Folien dienen dazu, bei einem Vortrag die sprachlichen Ausführungen
durch grafische Darstellungen zu verdeutlichen. Wenn dies bei einem Detail
der Rede nicht möglich ist, weil es z. B. keine sinvolle Visualisierung gibt,
sollte man dafür auch keine Folie zeigen. Andererseits sind grafische Darstellungen
selten selbsterklärend, sie müssen daher durch Kommentierung des Vortragenden
erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Allgemeines
1.1 Vorteile der Visualisierung
1.2 Textfolien
1.3 Aufgaben von Folien
1.4 Elemente einer Folie
1.5 Regeln zur Foliengestaltung
2 Folien mit Rahmen
2.1 Folientitel
2.2 Firmenlogo
2.3 Weitere Elemente
4 Der Informationsbereich der Folie
4.1 Inhalt einer Folie
4.2 Geometrie
4.2.1 Goldener Schnitt
4.2.2 Blickfolge
4.3 Gestaltgesetze
4.4 Darstellung von grafischen Objekten
4.4.1 Diagramme
4.4.1.1 Diagrammtypen
4.4.1.2 Regeln für die Diagrammdarstellung
4.4.2 Bilder
4.4.3 Cartoons
4.5 Textgestaltung
5 Steigerung der Folienwirkung
5.1 Farbe
5.1.1 Wirkungen der Farbe
5.1.2 Farbgestaltung
5.1.2.1 RGB-Modell und Farbsechseck
5.1.2.2 Farbharmonien
5.1.2.3 Farbkontraste
5.1.2.4 Farbklänge
5.1.2.5 Weitere Regeln
5.1.3 Farbgestaltung von Folien
5.2 Animationen
5.2.1 Bewegungen
5.2.2 Ein- und Ausblendungen
5.2.3 Töne und Musikstücke
5.3 Dosierung der Maßnahmen zur Wirkungssteigerung
6 Künstlerische Freiheit
7 Nachwort
8 Der Kurs PowerPointRhetorik
9 Literatur
Die PowerPointRhetorik-Seiten
Impressum
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Wissenschaftliche Untersuchungen insbesondere aus der Werbepsychologie liefern eine ganze Reihe von Hinweisen über die Vorteile der Visualisierung bzw. „Bildkommunikation“. Jörg-Axel Meyer hat sie in [1], S. 375 - 378 wie folgt zusammengefasst:
Wegen dieser Erkenntnisse verbietet sich z. B. der Einsatz von reinen Textfolien in PowerPoint-Präsentationen. Statt dessen sollen die auf Folien zu vermittelnden Informationen immer als Bilder oder Grafiken dargestellt werden. Ist das nicht möglich, wird besser auf diese Folie verzichtet.
Es lassen sich Informationen zwar auch als Textfolien darstellen, es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine Visualisierung. Textfolien fehlen die Vorteile einer echten Bildkommunikation. Die weite Verbreitung von Textfolien in PowerPoint-Präsentationen ist letztlich auch der Anlass, der zur PowerPoint-Kritik von Edward R. Tufte [4] und anderen [5] führte.
Folien können unterschiedliche Aufgaben erfüllen:
Hier geht es nun um Regeln zur Gestaltung von Folien, die Informationen vermitteln
sollen. Dabei ist es unerheblich, um welche Art von Informationen es sich handelt:
Tatsachen, Regeln, Ideen, Thesen, Argumente oder Meinungen. Visualisierung
heißt, Darstellung oder Erläuterung der Information als Bild.

Eine Folie besteht aus den Elementen Hintergrund, Rahmen, Überschrift / Folientitel, grafischen Objekten und Texten, wobei nicht immer alle Elemente vorhanden sein müssen. Diese Elemente können zusätzlich animiert werden, d. h. mit Bewegungen und Tönen verbunden werden.
Jörn-Axel Meyer hat in [1] und [2] wissenschaftliche Erkenntnisse zur Visualisierung zusammengetragen und daraus praktikable Regeln abgeleitet. Auf diese Regeln wird bei der Foliengestaltung im Folgenden zurückgegriffen.
Zur Positionierung der Informationen gelten folgende Regeln [1], S. 161 und S. 183

Die Verwendung eines Folienrahmens kann sinnvoll sein. Durch ihn wird die Folie gegliedert in einen Teil mit mehr organisatorischen Angaben und den eigentlichen Informationsbereich. Im Folienrahmen werden üblicherweise folgende Elemente untergebracht: Überschrift bzw. Folientitel, Firmenlogo, Name des Autors, Foliennummer, und ggf. Datum und Name der Präsentation.
Ein Folienrahmen kann unterschiedlich gestaltet sein. Welche Form verwendet
wird, ist eine reine Geschmacksfrage. Häufig wird ein Überschriftsbalken
oder ein Halbrahmen verwendet oder zumindest angedeutet.
Ein Folientitel sollte immer verwendet werden, damit die Aussage einer Folie unmissverständlich dokumentiert wird. Bildliche Darstellungen sind meistens interpretierbar, erst durch einen erläuternden Text werden sie eindeutig. Selbst ein Cartoon kommt nur selten ohne diese Erläuterung aus.
Der Folientitel kann aus Stichworten bestehen oder einem Satz, der die Aussage der Folie zusammenfasst.
Der bevorzugte Position für den Folientitel ist die linke obere Ecke.
Die Position des Firmenlogos hängt davon ab, welche Bedeutung es für die Präsentation hat. Soll die Firma dem Publikum bekannt gemacht werden, ist die bevorzugte Position die rechte untere Ecke. Ist es nur als „Verzierung“ gedacht, kommen die rechte obere oder die linke untere Ecke in Betracht. Ggf. muss dabei auf die Gestaltung des Rahmens Rücksicht genommen werden.
Für die übrigen Angaben, die im Rahmen untergebracht werden wie Name des Autors, Name der Präsentation und organisatorische Angaben gelten im Prinzip dieselben Überlegungen. Da sie meist nur von untergeordneter Bedeutung sind, kommen vor allem die rechte obere oder die linke untere Ecke der Folie in Betracht.
Der Trend geht inzwischen dahin, ganz auf einen Folienrahmen zu verzichten. Dafür sprechen einerseits praktische Gründe. Der ohnehin schon sehr beschränkte Bereich zur Darstellung der eigentlichen Informationen wird durch Verwendung eines Folienrahmens noch weiter verkleinert. Andererseits schränkt ein Rahmen die grafischen Gestaltungsmöglichkeiten einer Folie sehr stark ein.
Mit Ausnahme des Folientitels sind die Elemente des Rahmens gemäß dem Minimalprinzip (vgl. Kap. 4.1) "schmückendes Beiwerk". Dies gilt insbesondere für das Firmenlogo. Der Präsentationspraktiker Garr Reynolds bezieht hierzu wie folgt Stellung [13], S. 129:
"Präsentieren Sie im Auftrag eines Unternehmens, sollten Sie nur auf der ersten und letzten Folie das Firmenlogo einbauen. Wollen Sie, dass das Publikum etwas lernt und sich an Sie erinnert, sollten Sie eine gute und ehrliche Präsentation vorführen. Logos erhöhen weder Ihre Glaubwürdigkeit, noch dienen sie als Argumente... Der Platz auf den Folien ist begrenzt. Warum ihn an Logos, Warenzeichen und ähnliche Elemente verschenken?"
Der Informationsbereich enthält die wesentlichen Inhalte einer Folie.
Ein sehr altes Gestaltungsprinzip ist der Goldene Schnitt. Das Verhältnis zweier Strecken von 1:1,6 gilt seit jeher als besonders harmonisch. Zur genauen Definition siehe z. B. [8].
Der Informationsbereich einer Folie wird durch Linien im Abstand 1:1,6 unterteilt. Damit ergeben sich insgesamt 4 Punkte auf der Folie, die sich zur Positionierung wichtiger Informationen besonders eignen.
Beim Präsentationsformat mit Breite x Höhe = 25,4 cm x 19,05 cm ergeben sich folgende Abstände von der linken unteren Ecke als Koordinaten-Nullpunkt:

In PowerPoint-Koordinaten mit dem Koordinaten-Nullpunkt in der Folienmitte sind dies die Geraden:
Nicht die Bildmitte sondern diese, etwas aus der Mitte verschobenen Punkte sprechen den Betrachter besonders an. Es handelt sich dabei um einen relativ kleinen Versatz aus der geometrischen Mitte.
Bei der Foliengestaltung kommt die Blickfolge hinzu. Da in der linken oberen Ecke der Folientitel als Blickfang steht, ist der nächste natürliche Punkt für eine Blickfolge der dieser Ecke am nächsten gelegene Schnittpunkt der Geraden des Goldenen Schnitts. In der westlichen Welt ist die Blickfolge beim Lesen im Prinzip von links nach rechts und oben nach unten. Diese Gewohnheit spielt auch beim Betrachten von Bildern, Webseiten und Folien eine Rolle. Da hier der Zwang des Zeilen-sprungs fehlt, ergibt sich als bevorzugte Blickfolge die Diagonale von links oben nach rechts unten [1], S.83.

Es gelten daher die weiter oben dargestellten Positionierungsregeln. Das Objekt mit der wichtigsten Information kommt in die linke obere Ecke des Informationsbereichs bzw. in den linken oberen Schnittpunkt der Geraden des Goldenen Schnitts.
Der Platz für eine weitere wichtige Information ist die rechte untere
Ecke.
Die folgende Abb. zeigt ein Beispiel für eine Folie mit einer Verteilung der Informationen, die diesen Regeln folgt.
Die von Max Wertheimer begründete und von Stephen E. Palmer weiterentwickelte Gestalttheorie setzt sich mit dem Phänomen der menschlichen Wahrnehmung auseinander, insbesondere der Gruppierung von mehreren grafischen Elementen zu einem bestimmten Gesamtbild [9]. Mit anderen Worten, wir nehmen nicht die einzelnen Elemente wahr sondern interpretieren sie automatisch zu einem ganz bestimmten Gesamtbild.
Aus den Gestaltgesetzen lassen sich Regeln für die Darstellung von Informationen auf Folien ableiten [1], S. 373-374.
Die Gestaltgesetze geben also Hinweise dafür, wie die verschiedenen Elemente auf einer Folie angeordnet und gruppiert werden sollen.
Die Gestaltgesetze sind ihrem Wesen nach eine deskriptive Theorie, die beschreibt, was die Menschen von sich aus erkennen. Es ist also naheliegend, dass die Menschen bei der Gestaltung von Folien automatisch diese Gesetze beachten, sie also nicht zu erlernen brauchen. Für die Gestaltung von Folien können die Gestaltgesetze also lediglich eine Hilfsfunktion z. B. als Checkliste wahrnehmen.
Bei den grafischen Objekten lassen sich Sachbilder und „Lebensbilder“ unterscheiden. Sachbilder sind in der Mehrzahl Diagramme, die Zahlen visualisieren und Tatsachen verdeutlichen sollen. Als Lebensbilder wollen wir Abbildungen oder Bilder im engeren Sinne verstehen, die Motive aus dem täglichen Leben darstellen. Es handelt sich hierbei um Fotos, fotorealistische Darstellungen oder Zeichnungen.
Eine sehr wichtige Regel bei der Darstellung von Zahlen und Tabellen in Diagrammform ist das Minimalprinzip [1], S.159:
„Nur die Informationen sollen visuell dargestellt werden, die auch als
nicht-visuelle Form vorgegeben sind.
Zusätzliche oder redundante Informationen (z.B. wiederholte Firmenlogos)
und gestalte-rische Maßnahmen, die u.a. den Zusatzzielen wie der 'schönen'
Darstellung dienen (z.B. 3-D-Darstellungen für zweidimensionale Datenstrukturen),
jedoch nicht durch eine der ... Regeln der Visualisierung begründet werden,
sind abzulehnen.“
Da Diagramme eine Fülle von Informationen beinhalten können, ist es unabdingbar, nur das darzustellen, was auch tatsächlich vermittelt werden soll. Die Reduktion auf die erforderlichen Informationen bedingt auch, dass Achsenbeschriftungen auf ein Minimum zu reduzieren sind. Das Diagramm muss dann aber durch den Präsentierenden ausführlich erläutert werden [1], S.375.




Zelazny [6] gibt eine Reihe von Erfahrungsregeln für die Darstellung von Diagrammen zu Präsentationszwecken an.
Kreisdiagramm
Balken- und Säulendiagramme
Kurvendiagramm
Bilder werden durch die rechte Hemisphäre des Gehirns kritiklos aufgenommen. Sie haben starke emotionale Wirkungen. Bilder, von denen wir persönlich betroffen sind, werden leicht gespeichert und sehr gut erinnert. Auch lebendig wirkende, detailreiche Bilder verbessern das Erinnerungs-vermögen (s.a. Abschnitt 1).
Daraus ergeben sich folgende Regeln für die Gestaltung grafischer Objekte [1], S. 152-153, 156:
Eine Ausnahme von diesen Regeln bilden Cartoons, bei denen bewusst auf Vereinfachung und Übertreibung markanter Merkmale gesetzt wird., um einen Sachverhalt zu verdeutlichen. Ihre Wirkung beruht auf der Tatsache, dass unser Gedächtnis Witziges, Komisches und Skurriles besonders gut behält.
Als Schrift für Präsentationen hat sich Arial etabliert. Dies hängt mit der besseren Lesbarkeit bei Beamer-Projektionen zusammen.
Times New Roman ist eine Schrift mit Endstrichen (Serifen) und unterschiedlichen
Strichstärken. Sie erleichtert das Lesen von gedrucktem Text:
Arial ist dagegen eine serifenlose Schrift mit konstanter Strichstärke, die wegen der geringeren Auflösung bei Beamer-Präsentationen von Vorteil ist:
Weiterhin finden die Gestaltgesetze Anwendung:
Daher sollten allein stehende Texte als „Informationsgruppe” immer mit geometrischen Figuren wie Rechtecken, Ellipsen usw. gerahmt werden. Verbindet man solche „Textfiguren” mit Pfeilen und Linien können Zusammenhänge gut verständlich aufgezeigt werden.
Es gibt Maßnahmen, mit denen die Wirkung der Folien verstärkt werden kann und insbesondere die Aufmerksamkeit des Betrachters gesteuert und die Speicherung der zu vermittelnden Informationen verbessert werden kann. Diese Maßnahmen sind zum einen der gezielte Einsatz von Farbe und zum anderen die Animation von Objekten oder ganzen Folien.
„Farbe bestimmt unser Leben in einem weit größeren Maße, als wir es uns bewußt machen. Es wird geschätzt, daß 40% aller Informationen, die der Mensch aufnimmt, Informationen über Farbe sind.“ Ingrid Crüger [7]
Bei bildlichen Darstellungen hat sich die Farbe schon seit langem durchgesetzt, siehe z. B. die Malerei.Aber gerade auch technische Bilddarstellungen wie bei Fotografie, Film und Fernsehen oder Computer-Monitoren werden durch farbige Darstellungen dominiert.
Farbige Darstellungen kommen der realen Welt einfach näher, und um so detaillierter ein Bild ist, um so interessanter ist es und um so besser wird es gespeichert und erinnert.
Durch den gezielten Einsatz von Farbe lässt sich auch die Aufmerksamkeit des Betrachters einer Folie steuern.
Auch die Gruppierung von Objekten kann durch die Farbgestaltung unterstützt werden.
Nun ist Farbe nicht gleich Farbe.
Ingrid Crüger hat in [7] eine kurze Einführung in die Farbentheorie und in die Farbgestaltung zusammengestellt und wichtige Realisierungsregeln aufgestellt.
In der menschlichen Netzhaut gibt es Rezeptoren für die Farben Rot, Grün und Blau. Jede wahrgenommenen Farbe ergibt sich als Summe aus unterschiedlichen Anteilen dieser „Urfarben“. Auch technische Geräte wie Monitore und Fernseher benutzen diese Farbdarstellung, die hier als RGB-Modell bezeichnet wird. Jede Urfarbe kann die Intensität von 0 bis 255 annehmen. Eine bestimmte Farbe wird durch ein Zahlentripel mit den Intensitäten der drei Urfarben dargestellt. (0, 0, 0) ergibt die Farbe Schwarz, (255, 255, 255) die Farbe Weiß.
Stellt man die Farbkomponenten geometrisch dar, dann ergibt sich ein würfelförmiger Farbraum, der die möglichen Farben enthält.
Auf der Grundlage von Harald Küppers' Farbenlehre hat Ingrid Crüger [7] ein Farbsechseck konstruiert, dass die Farben Rot, Gelb, Grün, Cyan, Blau und Magenta und ihre möglichen Zwischentöne enthält:

Für Farbharmonien gibt es die folgenden Regeln [7]
„Harmonische Farbgestaltungen zeichnen sich dadurch aus, daß sie auf den Betrachter angenehm wirken. Eine Komposition aus Farben, die miteinander harmonieren, führt zu einem positiven Gesamtbild.
Harmonische Farbgestaltungen lassen sich erzielen durch die Kombination von:
Unter unbunten Farbtönen werden schwarz, weiß und grau verstanden.
Entsättigung erreicht man in PowerPoint, wenn man unter „Füllung - Weitere Füllfarben – Benutzerdefiniert“ als Farbmodell „HSL“ einstellt, und die Sättigung auf einen kleineren Wert einstellt. (HSL steht für hue (Farbton), saturation (Farbsättigung), lightness (Helligkeit).)
Verwendet man stattdessen Farben, die nicht miteinander harmonieren,
so wird eine Disharmonie erzeugt, die beim Betrachter Abneigung hervorrufen
kann.

Farbharmonie mit benachbarten Farben
Allerdings müssen zusätzlich die psychologischen Wirkungen der Farben berücksichtigt werden. Eine harmonische Farbgestaltung mit den Tönen zwischen Gelb {255, 255, 0} und Grün {0, 255, 0} ist z. B.:{ 228, 255, 0}, { 198, 255, 0},{ 161, 255, 0}, {114, 255, 0}.
Da Grün auch mit Gift und Gelb auch mit Neid verbunden wird, kann diese harmonische Farbgestaltung sehr ungünstige Emotionen ergeben: Die negativen Gefühle werden mit schmutzigen, insbesonders grünlichen Gelbtönen verbunden, z. B. {198, 255, 0}.

Farbharmonie mit warmen Farben
Bei diesen Farbtönen gibt es keine negativen Gefühle.
Farbkontraste erzeugen Spannungen, mit denen man die Aufmerksamkeit steuern kann. Sie können belebend aber auch unangenehm wirken. Folgende Farbkontraste gibt es [7]:

Farbkontrast mit komplementären Farben des Farbsechsecks

Farbkontrast mit Farben der warmen und kalten Seite des Farbsechsecks
Für Folienelemente, die unterschiedliche Informationen darstellen sollen, verwendet man Farbklänge, die sich mit Hilfe des Farbsechsecks konstruieren lassen. Dies wird in [7] wie folgt beschrieben:
Verwendet man ein Dreieck zur Konstruktion des Farbklangs, dann erhält man einen Farbdreiklang, verwendet man ein Quadrat, dann ergibt sich ein Farbvierklang.

Konstruktion von Farb-Dreiklängen im Farbsechseck
Die im Kapitel 5.1.2 vorgestellten Regeln zur Farbgestaltung gelten universell. Bei der Foliengestaltung gibt es jedoch einige praktische Einschränkungen. Generell gilt das Gesetz der Ähnlichkeit. Alle Folienelemente sollten für die gesamte Präsentation gleich gestaltet sein.
Weiterhin gilt die Regel, dass eine Folie nicht überladen werden darf. Einerseits sollen mindestens 50% der Hintergrundfläche frei bleiben, andererseits kann das menschliche Arbeitsgedächtnis höchstens 3 grafische Objekte gleichzeitig aufnehmen (Kap. 4.1).
Auch dürfen Texte und grafische Objekte nicht zu klein dargestellt werden, damit das Publikum sie auch noch von entfernteren Plätzen aus erkennen kann.
Fazit: Der auf Folien verfügbare Platz ist eigentlich sehr beschränkt.
Für den Hintergrund ist eine möglichst helle Farbe zu wählen, am besten sogar weiß. Nur dann lassen sich Folien auch in Räumen mit Tageslicht problemlos präsentieren. Dies ist jedenfalls die Erfahrung aus vielen Jahren PowerPoint-Praxis (Kap. 5.1.2.5).
Wird ein Rahmen verwendet, dann enthält er organisatorische Informationen und als Wichtigstes den Folientitel. Der Rahmen sollte nicht auffallen, um nicht die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Folieninhalt abzulenken. Es kommen somit “kurzwellige” Farben (Kap. 5.1.1), also blau bis violett in Frage oder grau bis schwarz oder eine Ton-in-Ton-Gestaltung bzw. Transparenz mit dem Hintergrund.
Aus den Regeln für die beschränkte Anzahl wahrnehmbarer Objekte und die maximale Fläche für Informationsdarstellungen ergibt sich, dass es nur wenig praktikable Möglichkeiten für die Farbgestaltung der grafischen Objekte gibt. So sollten sie sich mit gutem Kontrast vom möglichst neutralen Hintergrund abheben. Für die Farbgestaltung kommt dann eigentlich nur ein Farbdreiklang oder ggf. Farbvierklang in Frage (Kap. 5.1.2.4). Farbharmonien, wie sie häufig von Corporate-Design-Vorlagen bereitgestellt werden, sind eher ungeeignet. Schließlich kommt es nicht auf ein harmonisches Erscheinungsbild an, sondern darauf, Folien einprägsam zu gestalten und die Aufmerksamkeit des Betrachters zu steuern.
Texte müssen einen maximalen Kontrast zu ihrer Umgebung erhalten. Erreichen lässt sich das durch Verwendung dunkler Zeichen auf hellem Grund (Kap. 5.1.2.5), ggf. ist ein Textfeld mit eigenem Hintergrund einzufügen. Weiterhin sollten Texte immer mit geometrischen Figuren wie Rechtecke, Ellipsen usw. gerahmt werden soweit sie nicht als Beschriftung von grafischen Objekten verwendet werden. Verbindet man solche “Textfiguren” mit Pfeilen und Linien können Zusammenhänge gut verständlich aufgezeigt werden.
Foliengestaltung ist ein kreativer Prozess und Regeln können auch durchbrochen werden, aber nur, wenn dies ganz bewusst geschieht und damit ganz gezielt bestimmte Wirkungen erreicht werden sollen. Wichtig ist immer, das Ziel im Auge zu behalten, das mit der Folienpräsentation erreicht werden soll. Last not least ist Foliengestaltung auch immer eine Geschmacksfrage und damit wird es dem Vortragenden nie gelingen, mit seiner Präsentation alle Zuschauer zu erreichen.
Bei PowerPoint-Präsentationen mit Notebook und Beamer können
ganze Folien und einzelne Folienobjekte animiert werden, d. h. Mit Bewegungen,
Ein- und Ausblendungen und Tönen oder Musikstücken verbunden werden.
Auch mit diesen Animationen lässt sich die Aufmerksamkeit steuern und
die Speicherung bzw. Erinnerung der zu vermittelnden Informationen verbessern.
Insofern kann man durch Animationen ähnliche Effekte erzielen wie durch
Farbgestaltung.
Folienobjekte lassen sich durch Animation bewegen. Zum einen erinnert man sich an dynamische Bilder besser als an statische, zum anderen lässt sich damit die Aufmerksamkeit des Betrachters steuern:
Da das menschliche Arbeitsgedächtnis nur eine begrenzte Anzahl von Informationen gleichzeitig aufnehmen kann [1], S. 88 und [3], empfiehlt es sich, eine Folie nicht mit zu vielen Objekten zu „überladen“ und statt dessen Folgefolien zu verwenden. Manchmal ist es jedoch erforderlich, komplexe Zusammenhänge darzustellen, die sich nicht sinnvoll auf mehrere Folien verteilen lassen. Hier bietet es sich an, eine Folie schrittweises aufzubauen, indem die einzelnen Folienobjekte nicht sofort angezeigt, sondern nach und nach eingeblendet werden und die Zusammenhänge Schritt für Schritt sichtbar werden. Ggf. lassen sich nicht mehr benötigte Objekte auch wieder ausblenden.
Zu den Ein- und Ausblendungen zählen auch die dynamischen Übergänge beim Folienwechsel, die vom Betrachter als angenehm empfunden werden. Vermutlich ist dies die Folge der Sehgewohnheiten, die sich beim Betrachten eines Films ergeben.
Auch die Animation von Folienobjekten mit Tönen oder Musikstücken lässt sich zur Aufmerksamkeitssteuerung und zur Verbesserung der Erinnerungsleistung einsetzen.
Weiterhin lassen sich auch ganze Folien mit Hintergrundmusik versorgen. Auch wenn dies ungewöhnlich erscheint, ist es keinesfalls abwegig. Jeder Film – auch ein Dokumentarfilm - hat seine Hintergrundmusik. Selbst bei Stummfilmaufführungen gab es einen Klavierspieler im Kino, der die Filmszenen mit Musik untermalte. Warum nicht auch eine PowerPoint-Präsentation mit Musik hinterlegen?
Für alle Maßnahmen zur Steigerung der Wirkung von Folien, sei es die Farbgestaltung, oder seien es Animationen muss immer der Grundsatz gelten „Weniger ist mehr“, mit anderen Worten, der Einsatz muss immer gezielt vorgenommen werden und darf nie inflationär sein.
Nehmen wir z. B. einen Mickey Mouse-Film von Walt Disney. Der Film überschwemmt den Betrachter mit satten bunte Farben, an die man sich sofort gewöhnt. Es ist dann nicht mehr möglich, über die Farbgestaltung bestimmte Informationen herauszuheben.
Genau so ergeht es einem Betrachter, wenn immer alle Objekte irgendwie bewegt werden. Entweder er gewöhnt sich daran, oder er wird irritiert. Zur Aufmerksamkeitssteuerung ist die Bewegung dann nicht mehr geeignet. Eine Ausnahme bilden hier Ein- und Ausblendungen, wenn sie unspektakulär verlaufen.
Ähnliches gilt für die Animation von Objekten mit Tönen. Wenn jedes gezeigt Objekt mit einem, sei es auch charakteristischen Ton, verknüpft ist, stellt dies keine Besonderheit mehr da und verliert seine Wirkung. Ganz im Gegenteil, es ist sogar möglich, dass der Betrachter sich gestört fühlt.
Bei der Hintergrundmusik ist die Sachlage etwas anders. Wenn sie generell
die gesamte Präsentation begleitet, hat sie nur den Zweck, für eine
angenehme Atmosphäre zu sorgen. Möchte man sie zur Aufmerksamkeitssteuerung
einsetzen, dann darf sie nur an bestimmten Stellen eingesetzt werden, z.B.
am Anfang, um gute Stimmung zu erzeugen oder am Ende, um den Schlussapell zu
unterstreichen.
Das Erstellen von Folien ist ein kreativer Prozess. Wichtig ist in erster Linie, dass durch das Präsentieren der Folien das gesteckte Ziel erreicht wird. Wem dies mit seinen Gestaltungsideen gelingt, braucht sich auch nicht um die hier zitierten Regeln zu kümmern.
Viele dieser Regeln, insbesondere der Goldene Schnitt und die Gestaltgesetze stützen sich auf Beobachtungen und Untersuchungen der menschlichen Wahrnehmung. Die Gestaltgesetze werden deshalb auch als deskriptive Theorie bezeichnet. Da die menschliche Wahrnehmung diesen Gesetzen folgt, kann man umgekehrt daraus schließen, dass sie bei der Gestaltung von Folien vom Gestalter auch automatisch angewendet werden, spätestens aber bei der Betrachtung des Folienentwurfs und den dann durchgeführten Korrekturen.
Wer aber unsicher ist, ob bei der erstmaligen Präsentation der fertigen Folien, sich die angestrebte Wirkung beim Publikum auch tatsächlich einstellt, ist gut beraten, die Regeln anzuwenden oder zumindest eine Überprüfung des Foliensatzes auf die Einhaltung der Regeln durchzuführen.
Die von Jörn-Axel Meyer in [1] zitierten Literaturstellen erscheinen auf den ersten Blick nicht sehr aktuell. Sie stammen zum größten Teil aus Untersuchungen der Werbepsychologie und Software-Ergonomie. Die moderne Psychologie basiert auf naturwissenschaftlicher Methodik. Ihre Erkenntnisse werden über Experimente und Versuchsreihen verifiziert. Die so gewonnenen Einsichten gelten dann – gleichgültig wann sie gefunden wurden – zumindest so lange, bis sie durch andere Experimente widerlegt werden. Dies geschieht eigentlich nie, es gibt nur Fälle, in denen frühere Erkenntnisse verfeinert werden.
Bereits in der Werbepsychologie wurden Geräte eingesetzt, mit denen die Blickbewegungen beim Betrachten z. B. eines Werbeplakates aufgezeichnet werden können. Dieses „eyetracking“ [10] hat mit der Kommerzialisierung des World Wide Web eine echte Renaissance erfahren. Ein Webseitenbetreiber hat ein grundlegendes Interesse daran, dass die Besucher seiner Webseiten die angebotenen Informationen auch wahrnehmen.
Im Internet lassen sich unzählige Informationen über eyetracking finden. Insbesondere sei auf [11] hingewiesen. Hier fasst Christina Laun Ergebnisse von eyetracking-Studien zusammen. Diese sind nicht nur für das Webdesign interessant sondern auch für die Gestaltung von Folien. Hier einige Beispiele:
Diese Ergebnisse bestätigen somit die wesentlich älteren Erkenntnisse aus der Werbepsychologie und der Software-Ergonomie, auch wenn sich einige Ergebnisse auf die Besonderheiten der Webseiten wie die Interaktion und Navigation beziehen.
Im Kurs werden die theoretischen Grundlagen vorgestellt und daraus Regeln für die Gestaltung einer Präsentation abgeleitet. Diese Regeln werden anhand von Beispielen erläutert. Beim Foliendesign wird darüber hinaus auf Abschnitte aus Garr Reynolds Presentation ZEN zurückgegriffen [13].
[1] Jörn-Axel Meyer, Visualisierung im Management, Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 1996
[2] Jörn-Axel Meyer, Visualisierung von Informationen,
Verhaltenswissenschaftliche Grundregeln für das Management,
Gabler, Wiesbaden 1999
[3] G.A. Miller, The Magical Number Seven, Plus or Minus Two, Some Limits on Our Capacity for Processing Information, 1956, zitiert in [1].
[4] Edward R. Tufte, The Cognitive Style of PowerPoint: Pitching Out Corrupts Within, Graphics Press LLC, Cheshire 2006
[5] Mathias Mertens, Die Debatte um PowerPoint,
http://www.zmi.uni-giessen.de/publikationen/publikationen-powerpoint.html
[6] Gene Zelazny, Wie aus Zahlen Bilder werden: Der Weg zur visuellen Kommunikation, 5. Auflage, Gabler, Wiesbaden 1999
[7] Ingrid Crüger, Farbentheorie und Farbgestaltung,
http://www.ipsi.fraunhofer.de/~crueger/farbe/index.html
[8] Wikipedia, Goldener Schnitt,
http://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt
[9] Wikipedia, Gestaltpsychologie,
http://de.wikipedia.org/wiki/Gestaltpsychologie
[10] Universität des Saarlandes, FR Informationswissenschaft,
http://usability.is.uni-sb.de/methoden/eyetracking.php
[11] Christina Laun, Scientific Web Design: 23 Actionable Lessons from Eye-Tracking Studies, virtualhosting.com, 13.11.2007,
http://www.virtualhosting.com/blog/2007/scientific-web-design-23-actionable-lessons-from-eye-tracking-studies/
[12] Christoph Bier, typokurz — Einige wichtige typografische Regeln, Version 1.6, 24.11.2006 ,
http://www.zvisionwelt.de/typokurz.pdf
[13] Garr Reynolds, ZEN oder die Kunst der Präsentation, Addison-Wesley 2008
Links mit Stand vom 25.02.2010
PowerPointRhetorik: Vortragsgestaltung mit PowerPoint-Folien
http://powerpointrhetorik.de/
PowerPoint-Kritik
http://powerpointrhetorik.de/PowerPoint-Kritik.html
Produktionsstadien von PowerPoint-Präsentationen
http://powerpointrhetorik.de/Produktionsstadien.html
Gestaltung von PowerPoint-Folien
http://powerpointrhetorik.de/Foliengestaltung.html
Kurs PowerPointRhetorik
http://powerpointrhetorik.de/kurs/Kursbeschreibung.html