PowerPoint-Rhetorik

1 Einleitung

Es wird gezeigt, wie sich Grundsätze der klassischen Rhetorik auf PowerPoint-Präsentationen anwenden lassen und welche theoretischen Grundlagen es für die Foliengestaltung gibt.


1.1 PowerPoint und Rhetorik

Mit seiner Präsentation möchte der Vortragende das Publikum in seinem Sinne beein­flus­sen und von seiner Sache überzeugen. Wie das geht haben die antiken Begründer der Rhe­torik, insbesondere Aristoteles und später Cicero, gezeigt: mit Glaubwürdigkeit (ethos), Argu­men­ten (logos) und Gefühlen (pathos). Ein moderner Präsentationsprofi hat es weniger akade­misch ausgedrückt [1]:

„Kommunikation dreht sich darum, andere Personen vom eigenen Stand­punkt zu überzeugen, so dass sie verstehen, warum man von einer Idee so begeistert ist.“

Die klassische Rhetorik (Wikipedia [2]) mit ihren Regeln für eine überzeugende Rede ist eine empirische Wissenschaft. Sie entwickelte sich gleichzeitig mit den klassischen Demokratien in den griechischen Stadtstaaten, in denen sie schlicht und einfach gebraucht wurde. Was vor 2000 Jahren erkannt und gelehrt wurde, gilt auch heute noch für eine Rede, mit der man Andere von seinem Anliegen überzeugen möchte. Offenbar hat sich der Homo Sapiens in dieser Hinsicht nicht geändert. Reden werden immer noch gehalten und die guten Redner befolgen immer noch die Regeln aus der klassischen Rhetorik. In der ZEIT gibt es einen informativen Artikel von Andreas Sent­ker darüber [3]. Er stellt einige der herausragenden Redner von heute vor und die Situation, in denen sie ihre denkwürdigen Reden hielten, z.B.

Die klassische Rhetorik beschreibt, wie eine Überzeugungsrede aufgebaut ist. Es liegt also nahe, diese Regeln und Vorgehens­weisen beim Entwurf einer überzeugenden PowerPoint-Präsentation ebenfalls anzuwenden.

Neben den schon genannten drei Säulen der Rhetorik, Glaubwürdigkeit (ethos), Argumen­ten (logos) und Gefühlen (pathos) sind es besonders die Herstellungsphasen einer Rede, die sich auch beim Erstellen einer Präsentation anwenden lassen. Da es für Präsentationen keine vergleichbaren Regeln gibt – hier wird meistens nur auf die Folienerstellung einge­gangen – liegt es nahe, das Schema der „Produktionsstadien“ der klassischen Rhetorik auch für PowerPoint-Präsentationen zu ver­wenden bzw. entsprechend anzupassen.

Wir wollen die Anwendung der rhetorischen Regeln auf Präsentationen PowerPoint-Rheto­rik nennen. Jens E. Kjeldsen war einer der ersten, der mit seinem Artikel „The Rhetoric of PowerPoint“[4] darauf aufmerksam gemacht hat, dass wir die Rhetorik auch für Präsentationen brauchen.

Die folgenden Kapitel beschreiben, wie sich die drei Grundsäulen der Rhetorik und die Pro­duktionsstadien auf Präsentationen anwenden lassen, und welche Grundlagen es für die Gestaltung von Folien gibt.

1.2 Die Grundsäulen der Rhetorik bei Präsentationen

Bei einer überzeugenden Rede muss der Redner von seinen Zuhörern akzeptiert werden. In der Rhetorik wird dies als Glaubwürdigkeit (ethos) bezeichnet. Die Zuhörer müssen mit Argu­menten (logos) überzeugt werden. Eine Rede muss aber auch einen gewissen Unter­haltungswert aufweisen, wenn das Publikum dem Redner folgen soll. Das gelingt, wenn der Redner Emotionen weckt, in der Rhetorik pathos genannt.

Für Präsentationen bedeutet dass, wenn man andere Menschen – das Publikum – von sei­nen Ideen und Zielen überzeugen möchte, reichen Bilder oder schöne Folien oder auch ein Avatar nicht aus, dafür braucht man einen echten Menschen aus Fleisch und Blut – den Vortragenden selbst. Dazu muss der Beamer in bestimmten Situationen auch mal ein „schwarzes“ Bild zeigen, also quasi ausge­schaltet werden. In PowerPoint wird das über die Taste [B] ermöglicht.

Solange aber der Beamer eingeschaltet ist und etwas auf die Leinwand wirft, schaut das Publikum wie gebannt auf das Bild und nicht auf den Vortragenden. Also schalte man den Beamer aus und schon richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums auf den Vortragenden. Diesen Effekt kann übrigens jeder Vortragende sehr einfach selbst aus­probieren.

Um das Publikum für den Vortragenden einzunehmen eignet sich am besten eine zum Thema passende kleine persönliche Geschichte, die erzählt wird, wenn der Beamer ausge­schaltet ist.

1.3 Anwendung der Produktionsstadien auf Präsentationen

Wir betrachten nun die fünf Produktionsstadien der Rhetorik und entwickeln daraus fünf Erstel­lungs­phasen für PowerPoint-Präsentationen:

Diese Produktionsstadien lassen sich auch bei der Erstellung einer PowerPoint-Präsentation wiederfinden. Hinzu kommt die Phase der Folienerstellung.

1.3.1 inventio - Brainstorming, Stoffsammlung

Diese Phase, bei der es in der Rhetorik um Vorüberlegungen und das Finden von Argumen­ten geht, würde man heute als Brainstorming oder Stoffsammlung bezeichnen. In der Rhetorik steht hier die „Topik“ im Vordergrund, eine Technik zum Finden verwertbarer Ideen. Das einfachste Verfahren ist nach [5] die Fragenkette: Wer, was, wo, wodurch, warum, auf welche Weise, wann?

Dies entspricht bei der Erstellung einer PowerPoint-Präsentation folgender Stoffsammlung:

Im Kapitel 2 - Ziele, Zielgruppen und Vorgehensweise - wird dies ausführlich dargestellt.

1.3.2 dispositio - die Gliederung

Auch bei der Herstellung einer PowerPoint-Präsentation gibt es diese Phase. In der Analyse der Ziele wird untersucht, was die Präsentation bewirken soll, also

Die Rhetorik fordert hier eine logische Gedankenführung z. B. die Abfolge von

Hellmut Geißner [6] führt diese Idee fort und entwickelt den Fünfsatz. Er beschreibt insge­samt sieben Schemata von Fünfsätzen für die Gliederung einer Rede.

Die Anwendung des Fünfsatzes auf Präsentationen und weitere Techniken für den Aufbau einer überzeugenden Präsentation wird in Kap. 3 – Entwurf von PowerPoint-Präsenta­tionen – ausführlich beschrieben.

1.3.3 elocutio - die Ausarbeitung

In der Rhetorik geht es hier darum, Gedanken auszuformulieren, den richtigen Sprachstil zu finden und die Rede auszuschmücken. Joachim Knape [7] sieht es wie folgt:

„Redundanz und regelrechte Abschweifung, ausgefeilte Syntax, Methaphorik und Umschreibung sowie viele andere rhetorische Figuren, all diese Power­Point-fremden Stilelemente können im Zentraltext eine wichtige kommuni­kative Funktion haben. Sie können jenseits der reinen Daten eine Sache viel­fältig ausleuchten hel­fen und das Publikum im Vortrag in eine ganz bestimmte Stimmung versetzen, in eine ganz be­stimm­te Haltung und zu einer ganz bestimmten Betrachtungsweise bringen. Für den Rhetoriker liegt hier ein wesentlicher Kern des Überzeugungsgeschehens.“

„das Publikum im Vortrag in eine ganz bestimmte Stimmung versetzen, in eine ganz be­stimm­te Haltung und zu einer ganz bestimmten Betrachtungsweise bringen“ kann allerdings auch mit einer entsprechend gestalteten PowerPoint-Präsentation erreicht werden. Dabei muss man beachten, dass die Phase der Ausarbeitung einer PowerPoint-Erstellung dreigeteilt ist. Sie besteht aus

1.3.3.1 Herstellung der Folien - Folienrhetorik

Gibt es denn so etwas wie Folienrhetorik, also die Anwendung rhetorischer Grundsätze auf die Gestaltung von Folien? Man kann sich doch Aristoteles oder Cicero schlecht mit einem Beamer vorstellen!

Betrachten wir die drei Säulen der Rhetorik: ethos, logos und pathos.

Bei ethos – die Glaubwürdigkeit des Vortragenden herstellen, das Publikum vom Vortragen­den überzeugen - gilt striktes Folienverbot. Hier muss der Vortragende sich selbst vor­stellen und das Publikum überzeugen.

Aber schon bei der Argumentation – dem logos – kommt es darauf an, Bilder für die Folien zu finden, die helfen, die Argumente überzeugend darzustellen. Findet man keine passen­des Bild, ist es besser, ganz auf eine Folie für die betreffende Aussage zu verzichten.

Auch die dritte Säule – pathos, das Ansprechen der Gefühle - ist bei der Foliengestaltung zu berücksichtigen. Wecken Sie mit Ihren Folien die Emotionen des Publikums! Das hilft bei der Überzeugung oder schafft zumindest eine gute Stimmung.

Ein Beispiel, wie diese rhetorischen Prinzipien auf eine Präsentation ange­wendet werden können zeigt Cliff Atkinson in seinem Buch „Beyond Bullet Points“ in seinem Kapitel „The Perfect PowerPoint Storm“ [8], das im Internet frei zugänglich ist.

In amerikanischen Gerichtsverfahren ist es wohl ganz normal, dass Plädoyers mit Power­Point-Unterstützung vorgetragen werden. Das Beispiel zeigt Folien, die geeignet sind, die Geschworenen
zu beeinflussen und zu überzeugen. Im Anhang 2 des E-Books ist dieses Beispiel als Dreh­buch dargestellt. Drehbücher werden in Kap. 3.2.3 ausführlich erläutert. Weitere gestalterische Prinzipien für die Folienerstellung sind in Kap. 1.4 – Grundlagen der Foliengestaltung – ausführlich beschrieben.

1.3.3.2 Sprachliche Gestaltung

Eine PowerPoint-Präsentation ist auch eine freie Rede. Stichpunkte liefern einerseits die projizierten Folien, andererseits auch die Notizenansicht der Folien.

Schon Kurt Tucholsky [9] empfahl: „Hauptsätze. Hauptsätze. Hauptsätze.“ Bei langen, kom­plizierten Satzgefügen beansprucht die Grammatik die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörer, der Inhalt geht verloren.

Ein wichtiges Stilmittel ist der Einsatz von Redepausen, also „Kunstpausen“. Diese Pausen können Aufmerksamkeit und Spannung erzeugen, genauso wie betontes Sprechen oder langsames Sprechen oder ganz laute Passagen.

Eine oft geäußerte Regel lautet:

„Sprechen Sie so, als wollten Sie einem Freund etwas erklä­ren.“

Das hat mehrere Vorteile: Sie wirken natürlich, Sie wenden ohne nachzudenken viele der gerade genannten Regeln automatisch an und Sie wirken überzeugend.

Dazu eine Anmerkung: Die Rhetorik ist eine empirische Wissenschaft. Ihre Regeln entstan­den aus der Beobachtung des menschlichen Verhaltens. Wenn es sich nicht gerade um ausge­feilte Reden han­delt, hat grundsätzlich jeder Mensch die Fähigkeit, eine Rede zu halten und dabei ohne nachzu­den­ken, Regeln der Rhetorik anzuwenden.

1.3.3.3 Inszenierung der Präsentation

Eine PowerPoint-Präsentation besteht aus den Elementen projizierte Bilder, sprachlicher Vortrag und Körpersprache des Vortragenden. Diese drei Elemente müssen in einer Präsen­tation aufeinander abge­stimmt werden. Es handelt sich also um eine Art Inszenierung:

In Kap. 3 – Entwurf von PowerPoint-Präsentationen – wird dies ausführlich beschrieben. Insbesondere wird das Drehbuch als leistungsfähiges Hilfsmittel für den Entwurfsprozess eingeführt.

1.3.4 memoria - die Präsentation einüben

In der Antike war es üblich, Reden frei zu halten und keine Notizen zu benutzen. Das dafür erfor­der­liche Auswendiglernen wurde erleichtert durch Erinnerungstechniken wie die Loci-Methode (Wikipedia, [10]), bei der Redeteile und Einzelheiten eines Vortrags mit einem räumlichen Ordnungs­system verknüpft wer­den, z. B. einem Haus mit Stockwerken, Zim­mern und mar­kan­ten Stellen, das gedanklich durchwandert wird.

Das ist bei einer PowerPoint-Präsentation nicht notwendig. Die projizierten Bilder und ggf. Notizen in der PowerPoint-Notizenansicht liefern sowohl die Struktur als auch die Stich­worte für den Vortrag. Aller­dings ist es durchaus angebracht, die Präsentation einzuüben, um z. B. eine vorgegebene Zeit ein­halten zu können.

Eine weitere sinnvolle Maßnahme ist das konzentrierte Durchgehen der Folienfolge:

1.3.5 actio - die Präsentation durchführen

Soweit es sich um das Auftreten des Vortragenden handelt, das ganz wesentlich seine Glau­bwür­digkeit und Wirkung bestimmt, gibt es kaum Unterschiede zwischen einem Vortrag und einer PowerPoint-Präsentation. Was bereits die alten Rhetoriker wussten, wird in der Neuzeit durch Untersuchungen der Sozial­psychologie bestätigt.

Bei der Präsentation jedoch kommt den technischen Komponenten eine große Bedeutung zu. Es ist dringend zu empfehlen, den Vortragsraum und seine technische Ausstattung vor­her zu inspizieren um etwaige Mängel rechtzeitig beseitigen lassen zu können.

Weiterhin sind Überlegungen zum Backup-Fall anzustellen, d. h. was mache ich, wenn das technische Equipment versagt?

Im Kap. 2 - Ziele, Zielgruppen und Vorgehensweise - wird dies ausführlich dargestellt.

1.3.6 Nach der Präsentation

In unserer heutigen Welt gilt auch für Präsentationen der Grundsatz „Nach der Präsen­tation ist vor der Präsentation.“ Eine Präsentation ist mit dem Schlusswort nicht zu Ende.

Es ist üblich, dass das Publikum Fragen stellen kann. In dieser Situation sind psychologische Kennt­nis­se erforderlich, um die Fragesteller richtig einordnen zu können und eine ange­mes­sene Beantwortung oder Stellungnahme abgeben zu können. Wenn man sich bei der Analyse der Zielgruppe gut vorbe­rei­tet hat, ist man auch auf mögliche Fragestellungen vorbereitet.

Mit einer Präsentation wird ein bestimmtes Ziel verfolgt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass dieses Ziel mit einer einzigen Präsentation erreicht werden kann. Daher ist es notwendig, dies im Rahmen der Kontaktpflege mit der Zielgruppe heraus­zufinden. Es wird sich dann oft heraus­stellen, dass zusätzliche Gespräche geführt und weitere Präsentationen abgehalten werden müssen.

1.4 Grundlagen der Foliengestaltung

Es gibt einige grundlegende Arbeiten, die für Präsentationen und Foliengestaltung von Bedeutung sind.

1.4.1 Theorie der dualen Cosierung

Allan Paivio [11] hat herausgefunden, dass es zwei verschiedene, voneinander unabhängige Bereiche für die Verarbeitung und Speicherung von visuellen und sprachlichen Informa­tionen gibt, die Theorie der dualen Kodierung. Danach ist es möglich, gleichzeitig visuelle und gesprochene Informa­tionen auf­zu­nehmen und zu verarbeiten. Weiterhin konnte er feststellen, dass die gleichzeitige visuelle und sprachliche Darstellung eines Sachverhaltes zu einem besseren Behalten beiträgt. Damit gibt es eine wissenschaftlich fundierte Begrün­dung, warum eine PowerPoint-Präsentation wirkungsvoller sein kann als eine Rede, bei der lediglich die Mimik und Gestik des Redners als „Bildinformation“ zur Verfügung steht.

Weitere Erkenntnisse:

PowerPoint-Präsentationen bieten die Chance, Bild und Sprache so zu kombinieren, dass einerseits das Publikum leichter überzeugt werden kann, anderseits die Erinnerung an die Präsentation – also an den Vortragenden, seine Folien und sein Thema – erheblich ver­bessert wird. Der Mensch denkt assoziativ. Erinnert man sich an ein Bild auf einer Folie, dann erinnert man sich auch an den Vortragenden, an die Geschichten, die er erzählt hat und an seine Ideen.

1.4.2 Engpass Kurzzeitgedächtnis

Nelson Cowan [13] hat die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses untersucht. Es hat eine Kapa­zität von 4 ± 1, also 3 – 5 gleichzeitig präsenten Informationspaketen („chunks“). Nelson Cowan hat damit das immer wieder zitierte Ergebnis von George A. Miller [14] nach unten korri­giert.

Mit anderen Worten, der Mensch kann nicht beliebig viele Informationen gleichzeitig auf­neh­men. Was nicht mehr ins Kurzzeitgedächtnis passt, geht verloren.

Das hat wichtige Konsequenzen für die Gestaltung von PowerPoint-Folien. Es macht wenig Sinn eine Folie mit zu vielen Grafiken und Texten vollzupacken. Derartige Informations­angebote „rauschen“ an den Zuhörern regelrecht vorbei, ohne richtig wahrgenommen zu werden.

1.4.3 Vorteile der Visualisierung

Die moderne Psychologie hat viele Erkenntnisse zusammengetragen, wie der Mensch Bilder wahrnimmt, speichert und sich an sie erinnert. Innerhalb von 1 – 2 Sekunden wird ein nicht zu kom­plexes Bild aufgenommen und gespeichert. Das Aufnehmen und Verstehen von Sprache dauert erheblich länger.

Die Vorteile der Visualisierung bzw. „Bildkommunikation“ hat Jörg-Axel Meyer in [15] S. 375 - 378 wie folgt zusammengefasst:

Diese Vorteile werden oft als Bildüberlegenheitseffekt bezeichnet.

1.4.4 Textfolien

Es gibt so etwas wie einen „Lesezwang“. Wenn wir irgendwo Buchstaben sehen, fangen wir automatisch an zu lesen. Manfred Spitzer [16] erklärt das wie folgt:

„Lesen ist ein Spezialfall der visuellen Wahrnehmung. Es ist gelernt und kulturell geprägt, gleichzeitig jedoch so elementar, dass wir gar nicht anders können, als ein Wort zu lesen, wenn wir es betrachten. Anders gesagt: Wir können einfach nicht ein Wort betrachten und es nicht lesen!“

Es gibt dazu ein berühmtes Experiment von John R. Stroop [17]. Auch wenn wir Bilder sehen, die Text darstellen, wird der Text gelesen, was im Experiment zu Konflikten führt. Probieren Sie es selbst mit dem folgenden Beispiel aus:

Sagen Sie bitte die Farbe der Wörter auf der linken Seite laut vor, dann auf der rechten. Auf der rechten Seite geht das nur stockend voran. Es kommt zur „Farb-Wort-Interferenz“, d.h. wir haben Schwierigkeiten, das Wort nicht zu lesen und statt dessen seine Farbe zu nennen.“

Stroop-Test

Ähnliche Konflikte entstehen, wenn Sie eine Textfolie auf die Leinwand werfen und der Vortragende diese nicht exakt vorliest, sondern etwas Ähnliches erzählt. Meistens gewinnt dann die Textfolie und der Kommentar des Vortragenden geht unter, ist also überflüssig und störend.

Wegen dieser Erkenntnisse verbietet sich z. B. der Einsatz von reinen Textfolien in Power­Point-Prä­sentationen, oder wollen Sie als Vortragender eine „Vorlesung“ halten? Statt dessen sollten die auf Folien zu vermittelnden Informationen immer als Bilder oder Grafiken dargestellt werden und vom Vortragenden erläutert werden. Ist das nicht möglich, wird besser auf diese Folie verzichtet und die Information nur mündlich vorgetragen.

Es lassen sich Informationen zwar auch als Textfolien darstellen, es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine Visualisierung. Textfolien fehlen die Vorteile einer echten Bild­kommunikation. Die weite Verbreitung von Textfolien in PowerPoint-Präsentationen ist letztlich auch der Anlass, der zur PowerPoint-Kritik [18] von Edward R. Tufte [19] und anderen [20] führte.

In den folgenden Kapiteln werden die einzelnen Themenbereiche vertieft:



Ausführlich sind diese Kapitel im kostenlosen E-Book PowerPoint-Rhetorik dargestellt.

1.5 Literatur zum Kapitel 1

Ein ausführliches Literaturverzeichnis finden Sie im kostenlosen E-Book PowerPoint-Rhetorik:

 

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